Velury

Ratgeber · Kosten & Planung

Was kostet eine barrierefreie Website? Preise und Faktoren

Zwischen 2.000 und 25.000 Euro – die Spanne ist groß. Was Barrierefreiheit wirklich kostet, hängt davon ab, ob Sie neu bauen oder nachrüsten, wie viele Inhalte Ihre Website hat und welchen Konformitätsgrad Sie anstreben.

Aktualisiert
Lesezeit
ca. 9 Minuten
Autor
Iven Krüger
Thema
Barrierefreiheit & BFSG
Kurz gesagt

Eine neue barrierefreie Unternehmenswebsite kostet bei einer Webagentur zwischen 4.000 und 15.000 Euro. Der Mehraufwand für Barrierefreiheit gegenüber einer „normalen“ Website liegt bei 15–30 % – wenn von Anfang an darauf geachtet wird. Nachrüsten ist fast immer teurer als von Beginn an barrierefrei zu entwickeln.[1]

Was beeinflusst den Preis?

Die Kosten einer barrierefreien Website werden von vier Hauptfaktoren bestimmt:

1. Neubau oder Nachrüstung

Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken ist die kosteneffizienteste Option. Wer eine bestehende Website nachträglich auf WCAG 2.1 AA bringen will, muss häufig Templates ändern, Inhalte überarbeiten und Plugins austauschen – ein deutlich höherer Aufwand.

2. Umfang und Komplexität

Wie viele Seiten hat die Website? Gibt es einen Onlineshop, ein Kundenkonto, Formulare oder Konfiguratoren? Jede interaktive Komponente erfordert zusätzliche Prüfung und ggf. Anpassung.

3. Content-Aufwand

Texte, Bilder und PDFs müssen barrierefrei aufbereitet werden: Alt-Texte für Bilder, Tagged PDFs, kontrastreiche Grafiken. Gerade bei großen Inhaltsmengen ist dieser Aufwand erheblich und wird oft unterschätzt.

4. Gewählter WCAG-Konformitätsgrad

WCAG 2.1 AA ist der gesetzliche Mindeststandard für das BFSG. AAA-Anforderungen (die höchste Stufe) sind optional und deutlich aufwändiger.

Kosten für einen barrierefreien Neubau

Diese Richtwerte gelten für eine Beauftragung bei einer deutschen Webagentur (inkl. Design, Entwicklung und Barrierefreiheits-Review):

Einfache Unternehmenswebsite (bis 20 Seiten)
3.000 – 8.000 €
Mittelgroße Website mit Blog (bis 50 Seiten)
6.000 – 15.000 €
Komplexe Website mit Kundenkonto / Konfigurator
12.000 – 30.000 €
Onlineshop (bis 500 Produkte)
8.000 – 25.000 €
Großer Onlineshop mit ERP-Anbindung
25.000 – 80.000 €

Kosten für die Nachrüstung einer bestehenden Website

Bei einer Nachrüstung fallen zusätzlich zu den Behebungskosten Kosten für einen initialen Audit an:

Schnellprüfung / Quick-Audit (Einzelseiten-Stichprobe)
800 – 2.000 €
Ausführlicher WCAG-Audit inkl. Bericht
2.500 – 6.000 €
Behebung der Befunde (typische KMU-Website)
2.000 – 8.000 €
Barrierefreiheitserklärung (Template + Anpassung)
400 – 800 €
Schulung Redaktionsteam (halbtägig)
500 – 1.500 €

Was kostet ein WCAG-Audit?

Ein professioneller WCAG-Audit durch zertifizierte Prüfer kostet je nach Tiefe zwischen 1.500 und 8.000 Euro. Wichtig: Ein rein automatischer Scan (z. B. mit axe oder WAVE) ist kein vollwertiger Audit – er findet nur 30–40 % der Barrieren.[2]

Ein vollständiger Audit umfasst automatische Scans, manuelle Tests, Tastaturbedienbarkeit und Screenreader-Tests und schließt mit einem detaillierten Prüfbericht ab.

Laufende Kosten für Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess – besonders wenn Inhalte regelmäßig aktualisiert werden.

  • Regelmäßiger Retest (empfohlen: jährlich oder nach größeren Updates): 1.500–3.000 €
  • Pflege der Barrierefreiheitserklärung: 1–2 Stunden / Jahr
  • Barrierefrei lesbare PDF-Erstellung (je Dokument): 200–600 €
  • Schulung neuer Mitarbeiter im Redaktionsteam: einmalig 300–800 €

Typische Kostenfallen

Diese Posten werden bei der Planung oft vergessen:

  • PDFs: Bestehende Dokumente müssen als Tagged PDF neu erstellt werden – das kostet je Dokument mehrere Stunden Arbeit.
  • Bilder ohne Alt-Text: Bei Websites mit Hunderten von Bildern ist die nachträgliche Alt-Text-Pflege sehr zeitaufwändig.
  • Drittanbieter-Widgets: Chat-Tools, Buchungswidgets oder Bezahlsysteme liegen oft außerhalb Ihrer Kontrolle und müssen ggf. ausgetauscht werden.
  • Videos: Untertitel und Audiodeskriptionen für Videoinhalte sind ebenfalls WCAG-Anforderungen und kosten je nach Umfang 100–500 € pro Video.

Von Anfang an barrierefrei planen

Wer jetzt eine neue Website plant, sollte Barrierefreiheit von Beginn an einkalkulieren – das spart langfristig Geld und erfüllt gleichzeitig die BFSG-Anforderungen. Wir bei Velury entwickeln Websites und Shops, die WCAG 2.1 AA von Grund auf erfüllen. Mehr erfahren

Fazit

Barrierefreiheit als Nachrüstung kostet fast immer mehr als bei einem Neubau. Wer jetzt einen Relaunch plant, sollte WCAG 2.1 AA von Anfang an einplanen – der Mehraufwand von 15–30 % ist überschaubar und amortisiert sich durch rechtliche Sicherheit, bessere Usability und höhere Suchmaschinenpräsenz.

Für bestehende Websites empfiehlt sich ein Schnellaudit als erstem Schritt: Er zeigt, wo die größten Lücken liegen und welche Investition realistisch notwendig ist.

Häufige Fragen

Gibt es Förderprogramme für barrierefreie Websites?

Einzelne Bundesländer und Kommunen bieten Zuschüsse für digitale Barrierefreiheit an, jedoch kein bundesweites Programm speziell dafür. Im Rahmen von Digitalisierungsförderungen (z. B. über die KfW oder Landesförderbanken) kann Barrierefreiheit ein Förderbaustein sein. Es lohnt sich, gezielt bei Ihrer IHK oder WFG anzufragen.

Was kostet ein Accessibility-Plugin für WordPress?

WordPress-Plugins versprechen häufig „vollständige Barrierefreiheit mit einem Klick“ für 10–100 Euro im Jahr. Das ist irreführend: Diese Plugins verbessern einzelne Aspekte (z. B. Fokus-Sichtbarkeit), können aber keine echte WCAG-Konformität herstellen und halten vor Gericht einer Prüfung nicht stand.

Wie lange dauert ein Barrierefreiheits-Audit?

Ein Quick-Audit für eine typische Unternehmenswebsite dauert 1–3 Werktage. Ein ausführlicher WCAG-Audit mit detailliertem Prüfbericht und Handlungsempfehlungen dauert je nach Umfang 5–15 Werktage.

Kann ich Barrierefreiheit selbst prüfen?

Ja – als ersten Überblick. Kostenlose Tools wie axe DevTools (Browser-Extension), WAVE oder Lighthouse zeigen offensichtliche Fehler. Für eine WCAG-Konformitätserklärung reicht das aber nicht aus; die manuelle Prüfung durch Experten ist unabdingbar.

Lohnt sich Barrierefreiheit auch ohne gesetzliche Pflicht?

Ja. Barrierefreie Websites sind für alle Nutzer besser bedienbar (auch ältere Menschen oder Menschen mit temporären Einschränkungen), werden von Suchmaschinen besser indexiert und vermitteln ein professionelles Markenbild. Sie schaffen Zugang für rund 10 Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland.

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 19.10.2026.

  1. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) – Anwendungsbereich und Anforderungen. BMAS, 2021. bmas.de
  2. Automated Accessibility Testing Accuracy. WebAIM, 2023. webaim.org
  3. Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1. W3C, 2018. w3.org
  4. Bundesfachstelle Barrierefreiheit – Praxisratgeber digitale Barrierefreiheit. bundesfachstelle-barrierefreiheit.de
Iven Krüger

Iven ist Mitgründer von Velury und entwickelt barrierefreie Weblösungen für Unternehmen im Raum Mannheim und deutschlandweit. Mehr über uns

Wie barrierefrei sind Ihre PDFs?

Schicken Sie uns ein Beispieldokument. Wir sagen Ihnen, wo es steht, was zu tun ist und ob Sie überhaupt betroffen sind. Ehrlich und unverbindlich.