Ratgeber · Testing
Automatische Tools finden nur 30–40 % der Barrierefreiheitsprobleme. Eine vollständige WCAG-2.1-Prüfung kombiniert automatisierte Scans mit manuellen Tests und Screenreader-Kontrollen – dieser Ratgeber zeigt, wie Sie methodisch vorgehen.
Starten Sie mit einer kostenlosen Browser-Extension wie axe DevTools oder WAVE für einen ersten Überblick. Ergänzen Sie das durch manuelle Tests (Tastaturnavigation, Farbkontrast, Sprachausgabe) und einen Screenreader-Durchlauf. Erst die Kombination ergibt ein vollständiges Bild – für eine WCAG-Konformitätserklärung ist eine manuelle Prüfung durch Experten Pflicht.[1]
Automatische Accessibility-Tests durchsuchen den DOM nach bekannten Mustern (fehlende Alt-Attribute, falsche ARIA-Rollen, ungenügender Farbkontrast). Sie sind schnell und reproduzierbar – finden aber nur 30–40 % aller WCAG-Fehler.[2]
Manuelle Tests hingegen prüfen, ob die Website tatsächlich bedienbar ist: Kann ich sie vollständig mit der Tastatur nutzen? Versteht ein Screenreader-Nutzer den Inhalt? Sind Fehlermeldungen in Formularen sinnvoll? Diese Fragen lässt sich kein Algorithmus allein beantworten.
Mit diesem Ablauf erhalten Sie in 1–2 Stunden einen soliden ersten Überblick:
Folgende WCAG-Kriterien können automatische Tools nicht zuverlässig prüfen:
Ein Screenreader-Test gibt den realistischsten Einblick in die Nutzungserfahrung blinder oder sehbehinderter Menschen. Empfohlene Kombinationen:[3]
Beim Screenreader-Test navigieren Sie die Seite nur mit der Tastatur und der Screenreader-Ausgabe. Können Sie alle Inhalte verstehen, alle Funktionen nutzen und Formulare ausfüllen?
Für eine rechtssichere WCAG-2.1-AA-Konformitätserklärung gehören zum Prüfungsnachweis:
Der schnellste Einstieg gelingt mit axe DevTools oder WAVE – die Browser-Extensions sind kostenlos und liefern in Minuten erste Ergebnisse. Für eine vollständige Prüfung müssen jedoch manuelle Tests und Screenreader-Tests ergänzt werden. Automatische Tools sind ein gutes Monitoring-Werkzeug, kein Ersatz für echte Barrierefreiheitsprüfungen.
Empfohlen wird eine jährliche vollständige Prüfung sowie ein Retest nach jedem größeren Redesign oder Funktions-Update. Automatische Scans können häufiger (z. B. wöchentlich im Rahmen von CI/CD) laufen.
Lighthouse gibt einen guten ersten Überblick, prüft aber nur einen Teil der WCAG-Kriterien und ist weniger präzise als axe. Ein Lighthouse-Score von 100 bedeutet nicht WCAG-Konformität. Nutzen Sie Lighthouse als Ergänzung, nicht als Hauptwerkzeug.
Ein Quick-Audit kostet 800–2.000 Euro, ein vollständiger WCAG-Audit mit Bericht 2.500–6.000 Euro. Details zur Preisstruktur finden Sie in unserem Kostenratgeber für barrierefreie Websites.
Der eingebaute PDF-Accessibility-Check von Adobe Acrobat ist ein nützlicher erster Schritt, prüft aber nicht alle Anforderungen (z. B. Lesereihenfolge, Alt-Texte für komplexe Grafiken, Sprachkennzeichnung). Für barrierefreie PDFs nach BFSG empfiehlt sich eine zusätzliche manuelle Prüfung.
Laut der WebAIM-Screenreader-Umfrage 2024 sind JAWS und NVDA (beide Windows) die meistgenutzten Screenreader am Desktop. Auf Mobilgeräten dominiert VoiceOver (iOS). Testen Sie am besten mit NVDA+Firefox als Minimalanforderung.
Alle Quellen abgerufen am 19.10.2026.
Iven ist Mitgründer von Velury und entwickelt barrierefreie Weblösungen für Unternehmen im Raum Mannheim und deutschlandweit. Mehr über uns
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